Jubiläums-Event der Münchner Clubs, November 2021

Mit Zuversicht in die Zukunft

„Bright Past – Brilliant Future?“ Diese Frage war das Thema des clubübergreifenden Soroptimist International November-Meeting in München, an dem 140 Interessierte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz via Livestream teilnahmen. Prominente Gäste im Internationalen Münchner PresseClub waren die Keynote-Speaker Anne Dörrhöfer, SID Präsidentin, Renata Trottmann Probst, SIE Past Präsidentin, und Christine Peer-Valenta, SI-Repräsentantin Vereinte Nationen Wien. Und weil es um die „Herausforderungen für die Zukunft unserer weltweit agierenden Service-Organisation berufstätiger Frauen“ ging, waren auch zwei junge Podiumsgäste zur anschließenden Diskussion in der großen Runde eingeladen: Sandy Alqas Botros, Jurastudentin und in der Flüchtlingshilfe bei Plan International und der Refugee Law Clinic engagiert, sowie Svenja Perret, IT-Beraterin, Mentorin beim Studienkompass und Mentee bei SI Lear. Dr. Daniela Schaper, SI Past Präsidentin vom Club München und Initiatorin des Jubiläums-Event zum 100-jährigen Bestehen von Soroptimist International, moderierte mit Achtsamkeit, Charme und viel Sachkenntnis die Veranstaltung. Und so unterschiedlich die jeweiligen Antworten formuliert wurden, so einig war man sich im Ergebnis. „Empathie“, „Wohlbefinden“, „Zusammenarbeit“, „Zuhören“, „Helfen“ und „Respekt“ – das waren die Zauberworte des Abends, die viel Zuversicht in Bezug auf die nächsten hundert Jahre der Organisation verrieten. Special guest des November-Meetings war Marc Haug, Geschäftsführer des Ökologischen Bildungszentrums München (ÖBZ), dem die Einnahmen des Jubiläums-Events zukommen, dank der Zusammenarbeit der drei SI-Clubs: Club München, Club München-Schwabing und Club München 2002, den gemeinsamen Veranstaltern. Haug bedankte sich für die Zuwendung für den Baumerlebnispfad, der benachteiligten Familien zugutekommen soll sowie die Errichtung eines Biotops – ein Projekt der Münchner Soroptimistinnen zur Aktion „PlantTrees“ im Jubiläumsjahr.

Ermutigung

In ihrer Video-Grußbotschaft zu „100 Jahre Soroptimist International“ wies Melanie Huml, MdL, Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, auf die gesellschaftliche Notwendigkeit der Serviceclubs hin  https://www.transfer-bayern.de/index.php/s/p6PKD7coa5Exdqe.  "Wir brauchen einander mehr denn je, zum Wohl von Frauen und Mädchen weltweit!“, erklärte Huml und dankte der Serviceorganisation „im Namen aller Mädchen und Frauen“ mit dem ermutigenden Aufruf: „Ihre Stimme wird gehört!“ Insbesondere in der Pandemie seien diese vielfach von Gewalt, Hunger, Armut und Ungleichheit in der Bildung betroffen. Deshalb sei die Zusammenarbeit in internationalen Netzwerken immens wichtig um ihnen zu helfen.

Empathie

„Wenn wir durch unsere Themen überzeugen, sind wir auch für die Zukunft gerüstet – und für junge Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, ein interessantes Netzwerk“, so die Einschätzung von Anne Dörrhöfer. Bei der Arbeit an Zielen wie gesellschaftliche Parität, gleiche Bezahlung und gleiche Teilhabe in der Arbeitswelt, Gleichstellung als Leitprinzip in allen Politikfeldern und Gewaltfreiheit für Frauen sei deren Empathie eine besondere, positive Kraft. Das Motto ihrer Amtszeit „be empowered“ ziele darauf ab, dass Frauen heute und jetzt „Verantwortung übernehmen müssen, um an einer menschenwürdigen Zukunft mitzugestalten“. Organisationsintern möchte Dörrhöfer eine intensivere Vernetzung von SID und SIE erreichen – sowie neue Konzepte für SID-Veranstaltungen (Webinare, Hybrid-Veranstaltungen und digitale Veranstaltungsreihen) und die Stärkung des Clublebens (Clubbindung, Gewinnung neuer Mitglieder etc.). Weiterhin plant sie, die Zusammenarbeit mit den Frauenverbänden zu verstärken, denn: „Ein gutes Netzwerk schafft Synergien und führt zu schnelleren Ergebnissen in unseren Schlüsselthemen.“

Wohlbefinden

Renata Trottmann Probst lenkte den Blick auf die Rolle der Föderation, deren Stärke – Gestaltungsfreiheit in den Clubs – zugleich deren Schwäche sei: Das Bild der Organisation nach außen sei durch verschiedene Logos nicht einheitlich – und durch den Amtswechsel in den Clubs nach zwei Jahren in der inhaltlichen Ausrichtung nicht kontinuierlich. Weil die Projekte, die auf dem President’s Appeal basieren, gemeldet würden, habe SI bei der UN weltweit Konsultativstatus. „Nur so können wir uns rühmen, eine weltweite Stimme für Frauen zu sein“, erklärte Trottmann Probst. Und: „Aus meiner Sicht sollte die Föderation in erster Linie den Unionen unterstützend zur Seite stehen!“ Und dann kam sie auf eine „vielleicht ketzerische, aber dennoch berechtigte Frage: ob Serviceclubs überhaupt noch eine Zukunft haben, sei es für Frauen oder Männer oder genderneutral“? Die SIE Past Präsidentin hält „das Wohlbefinden der Mitglieder in ihren Clubs“ für die wichtigste Voraussetzung für das Weiterbestehen von SI. „Wir wollen uns vernetzen, gemeinsam gute und sinnvolle Projekte verwirklichen und auch eine gute Zeit zusammen verleben. Ich bin optimistisch für die Zukunft unserer Organisation, aber nur, wenn wir auf allen Ebenen einen guten Umgang pflegen und gegen ((sic!)) außen kommunizieren, wofür wir stehen“, bekräftigte Trottmann Probst ihre Auffassung.

Zusammenarbeit

Christine Peer-Valenta stellte sich als eine der etwa 20 SI Repräsentantinnen bei den Vereinten Nationen vor. Gemeinsam betreiben die sogenannten REPs Global Advocacy und bringen sich in Sitzungen verschiedener NGO Komitees ein. Peer-Valenta hat bereits diverse Male bei der Weltfrauenkonferenz CSW (Commission on the Status of Women) in New York teilgenommen. Im Fokus steht die Umsetzung der Rechte der Frauen und Mädchen in Verbindung mit der Agenda 2030, d. h. der 17 Nachhaltigen Ziele (SDGs), die schon 2015 von allen 193 Mitgliedstaaten angenommen wurden. „Im Hinblick auf die SDGs wird der President’s Appeal der SI Präsidentin umgesetzt. Die globalen, überregionalen und lokalen Projekte können jeweils zugeordnet werden“, erklärte Peer-Valenta. 26 Jahre nach der 4. Welt-Frauenkonferenz in Peking, bei welcher 12 Grundrechte derFrauen vereinbart wurden, seien diese aber rückläufig. Covid habe in einer Schattenpandemie zu einer Zunahme der Gewalt gegen Frauen und Mädchen geführt. „Man muss vermehrt an den Anliegen und Rechten der Frauen, in diesem Konsens weiterarbeiten und die Jugend miteinbinden“, so Peer-Valenta. Alle sollten an Advocacy und Awareness mitarbeiten. Die SDGs und der Programm Focus von SI müssten in allen Clubs Leitidee sein.

Zuhören

Worum es dabei gehen kann bzw. was junge Menschen erwarten, das wurde anschließend mit zwei jungen Nicht-Soroptimistinnen diskutiert. Sandy Alqas Botros kam 2015 – damals 14 Jahre alt – mit ihren Eltern und einem Bruder aus dem Irak nach Deutschland. Inzwischen hat sie ein sehr gutes Abitur gemacht, studiert Jura und arbeitet engagiert in der Flüchtlingshilfe. Ein Jahr habe es gedauert, so berichtete sie, bis die Familie in Deutschland angekommen sei, dank der Hilfe von Freunden und Vertretern der katholischen Gemeinde in Hamburg, wo sie heute lebt – nicht der von staatlichen Stellen. „Mir fehlt, dass man mir, dass man den Geflüchteten zuhört, dass man nicht nur geregelt wird, sondern dass jemand in Kontakt mit uns tritt und auf unsere Bedürfnisse eingeht“, so beschrieb sie klar, was die Familie gebraucht hätte. Deshalb ist sie bei Plan International ehrenamtlich tätig und lässt sich für die juristische Beratung von Geflüchteten bei der Refugee Law Clinic ausbilden. Svenja Perret, IT-Beraterin, ist Mentee bei SI Lear und arbeitet ehrenamtlich beim Studienkompass, wo Kinder – wie seinerzeit sie selbst – aus einem nichtakademischen Elternhaus auf dem Weg in eine akademische Laufbahn begleitet werden. Das Feedback von Schüler*innen beim Studienkompass habe sie auch traurig gestimmt. Die Jugendlichen hatten ihr gesagt: „Der Workshop ist toll, ihr habt mir zugehört, mich akzeptiert und mir Ideen mitgegeben!“ Keine Selbstverständlichkeit also, wie man es sich wünschen würde. Dieses Interesse erfährt Svenja Perret selbst umgekehrt bei ihrer SI-Mentorin, der sie jede Frage stellen kann, die sie sich sonst nicht trauen würde zu adressieren – und Antworten bekommt.

Einfluss nehmen

Die Sichtbarkeit von Soroptimist International, ihre Wirksamkeit der Organisation sowie die Digitalisierung waren weitere Themen des Abends. Während Anne Dörrhöfer für die bessere Sichtbarkeit die Öffentlichkeitsarbeit – auch mit anderen Frauenorganisationen – vor allem in den neuen Medien ausbauen will, hält Renata Trottmann Probst inhaltliche Kontinuität bei den Themen für wichtig – im Hinblick auf die Einflussnahme von SI. So werde z. B. ihr Motto „We stand up for Women“ als Richtung gut angenommen, wobei jeder Club darunter andere Bedürfnisse erkenne. Sie lehnt es in diesem Sinn ab, „nur“ Geld zu sammeln und es an andere Organisationen weiterzugeben. Und Christine Peer-Valenta findet, jeder Club und jede Schwester könne sich sichtbar machen, es gehe um „Awareness auf lokaler Ebene“ und auch darum, der Jugend zu vertrauen und die Verantwortung abzugeben. Beim Thema „Digitalisierung“ zeigte sich in der Münchner Gesprächsrunde die Diversität der Gesellschaft, die sich auch im SI-Angebot an die Clubschwestern abbilden muss. Während Sandy Alqas Botros Online-Meetings schätzt, weil sie dadurch viel Zeit sparen kann, schätzt Svenja Perret die persönliche Begegnung mehr, auch weil sie den ganzen Tag digital arbeitet. Christine Peer-Valenta bestätigte, dass seit Beginn der Pandemie wieder viel mehr Clubschwestern aktiv sind. Die Möglichkeit der Einflussnahme hält Christine Peer Valenta für groß: Anfang Juli jeden Jahres beginnt Soroptimist International bereits an einem Forderungskatalog für die im nächsten März stattfindende Frauenkonferenz zu erarbeiten. Dieses Statement wird von vielen anderen NGOs mitunterschrieben und bei der CSW vorgelegt, 2021 waren digital sogar 25.000 Teilnehmer zugeschaltet! Es wurde 14 Tage lang viel diskutiert, eine Schluss Vereinbarung verlangt schließlich die Unterschrift von 193 Mitgliedstaaten, so berichtete sie. Nach wie vor gibt es genug zu tun, das stand im Raum, als die UNO-Beauftragte sagte: „Wir reden seit 25 Jahren darüber, dass wir die Rechte der Frauen verbessern wollen“ – und die entwickelten sich aktuell in der Pandemie rückwärts. Anne Dörrhöfer tritt ihre Präsidentschaft mit Visionen an: Sie will sich vor allem auf das konzentrieren, was erreichbar ist, nämlich durch die Zusammenarbeit mit anderen Frauennetzwerken in Berlin sichtbar werden – und z. B. gegen die Genitalverstümmlung angehen.

Hoffnung

Die Abschlussrunde zu „Bright Past – Brilliant Future?“ brachte viel Hoffnung und Kraft zum Ausdruck. Sandy Alqas Botros sieht dann eine brillante Zukunft, wenn „Frauen in allen Bereichen richtig integriert sind und ihre Perspektive berücksichtigt wird.“ Christine Peer-Valenta glaubt ebenfalls daran, „dass neue Denkweisen für die Rechte von Frauen und Mädchen zu weltweiten Freundschaften führen“. Renata Trottmann-Probst gab sich positiv und zuversichtlich, sie plädiert für mehr Profilschärfe, insbesondere für junge Menschen. Anne Dörrhöfer findet, dass SI an der Mitgliedschaft arbeiten muss und einen Querschnitt der Bevölkerung in den eigenen Reihen braucht – „Diversität im besten Sinn“. Und Svenja Perret, die neuerdings und für sie überraschend im Berufsalltag Genderungerechtigkeit erlebt, freut sich auf den Austausch mit Gleichgesinnten.  


(V. l.) Sandy Alqas Botros, Christine Peer-Valenta, Renata Trottmann Probst, Anne Dörrhöfer, Svenja Perret, Dr. Daniela Schaper


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